Die Schweiz erlebt einen demografischen Umbruch, der sich schleichend vollzieht, aber weitreichende Konsequenzen hat. 2025 kamen in der Schweiz rund 80'200 Kinder zur Welt — so wenige wie seit 2005 nicht mehr. Die zusammengefasste Geburtenziffer lag bei 1,33 Kindern pro Frau, weit unter dem Ersatzniveau von 2,1.
Geburtenentwicklung seit 2000
| Jahr | Lebendgeburten | Geburtenziffer (TFR) |
|---|---|---|
| 2000 | 78'458 | 1,50 |
| 2005 | 72'903 | 1,42 |
| 2010 | 80'290 | 1,52 |
| 2015 | 86'559 | 1,54 |
| 2020 | 85'914 | 1,46 |
| 2022 | 82'371 | 1,39 |
| 2023 | 80'987 | 1,36 |
| 2024 | 79'800 | 1,33 |
| 2025 | 80'200 | 1,33 |
Der Rückgang seit dem Hoch von 2015 ist deutlich. Damals schien es, als würde sich die Geburtenrate stabilisieren — doch seit 2020 geht es bergab. Und nein, das liegt nicht nur an Corona. Der Trend hat strukturelle Ursachen.
Kantonale Unterschiede
Die Geburtenrate variiert erheblich nach Kanton. Die Romandie und das Tessin haben tendenziell tiefere Geburtenraten als die Deutschschweiz — was aber auch mit der Altersstruktur zusammenhängt.
| Kanton | Geburtenziffer 2024 |
|---|---|
| Appenzell Innerrhoden | 1,62 |
| Freiburg | 1,56 |
| Thurgau | 1,51 |
| Aargau | 1,48 |
| Zürich | 1,34 |
| Bern | 1,30 |
| Basel-Stadt | 1,18 |
| Tessin | 1,15 |
| Genf | 1,25 |
Basel-Stadt und das Tessin haben die tiefsten Geburtenraten. In Basel-Stadt spielt die Urbanität eine Rolle — Kinder grossziehen in einer teuren Stadt ist nicht für alle attraktiv. Im Tessin schlägt die kulturelle Nähe zu Italien durch, das seinerseits eine der tiefsten Geburtenraten Europas hat.
Warum werden weniger Kinder geboren?
Die Gründe sind vielschichtig, und es wäre zu einfach, einen einzelnen Faktor herauszugreifen. Aber einige Trends sind klar:
Höheres Erstgebäralter: Schweizer Frauen bekommen ihr erstes Kind im Durchschnitt mit 31,9 Jahren — das ist einer der höchsten Werte in Europa. Vor 30 Jahren lag das Durchschnittsalter noch bei 28,1 Jahren. Je später die erste Geburt, desto weniger Kinder insgesamt.
Kosten: Kinder sind teuer. Die Krankenkassenprämien für Kinder, die Kitakosten (im Schnitt CHF 2'300 pro Monat für einen Vollzeitplatz) und das allgemeine Preisniveau machen die Familienplanung zur finanziellen Rechenaufgabe.
Vereinbarkeit: Obwohl die Schweiz Fortschritte gemacht hat, bleibt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine Herausforderung. Die Teilzeitquote bei Müttern ist zwar hoch, aber viele Frauen reduzieren unfreiwillig — weil die Betreuungsinfrastruktur nicht ausreicht.
Europäischer Vergleich
Die Schweiz liegt im europäischen Vergleich im unteren Mittelfeld. Frankreich (1,68), Irland (1,55) und Schweden (1,52) liegen deutlich darüber. Noch tiefer als die Schweiz liegen Spanien (1,16), Italien (1,20) und Südkorea (0,72 — weltweiter Tiefpunkt).
Konsequenzen für die Gesellschaft
Eine tiefe Geburtenrate bedeutet langfristig eine alternde Gesellschaft. Weniger Erwerbstätige finanzieren mehr Rentner. Die AHV gerät unter Druck, der Fachkräftemangel verschärft sich, und die Frage nach der Zuwanderung wird noch dringlicher.
Datenquellen
BFS, Statistik der natürlichen Bevölkerungsbewegung (BEVNAT). Geburtenziffer = zusammengefasste Geburtenziffer (TFR). 2025-Werte provisorisch.