Die Schweiz ist ein Einwanderungsland — das ist keine neue Erkenntnis. Aber die Dimensionen überraschen trotzdem immer wieder. 2025 sind netto rund 95’000 Personen mehr in die Schweiz ein- als ausgewandert. Das ist weniger als der Rekordwert von 2023 (über 100’000), aber deutlich über dem langfristigen Durchschnitt.
Die wichtigsten Herkunftsländer
Wer glaubt, die Zuwanderung sei ein homogenes Phänomen, liegt falsch. Die Zusammensetzung der Migrationsströme hat sich in den letzten zehn Jahren markant verschoben.
| Herkunftsland | Netto-Zuwanderung 2025 | Anteil ausländische Wohnbevölkerung |
|---|---|---|
| Deutschland | 12’400 | 315’600 (14,2%) |
| Italien | 8’900 | 332’200 (15,0%) |
| Frankreich | 7’100 | 145’800 (6,6%) |
| Portugal | 3’800 | 262’500 (11,8%) |
| Ukraine | 6’200 | 78’400 (3,5%) |
| Eritrea | 3’100 | 42’600 (1,9%) |
| Türkei | 2’800 | 72’900 (3,3%) |
| Spanien | 3’400 | 88’100 (4,0%) |
Die Italienerinnen und Italiener bilden nach wie vor die grösste ausländische Gemeinschaft in der Schweiz. Aber bei der jährlichen Netto-Zuwanderung haben die Deutschen die Nase vorn — sie kommen vor allem als Fachkräfte in Gesundheit, IT und Finanz.
Die Gründe: Arbeit dominiert
Die Personenfreizügigkeit mit der EU bleibt der wichtigste Mechanismus. Rund 62% der Zuwanderung erfolgt aus EU/EFTA-Staaten, grösstenteils arbeitsmarktgetrieben. Die restlichen 38% verteilen sich auf Familiennachzug, Schutzstatus (Ukraine) und Asyl.
Die Zuwanderung aus Drittstaaten unterliegt deutlich strengeren Regeln — hier wird ein Kontingent vergeben, und Arbeitgeber müssen nachweisen, dass sie keine inländische Person für die Stelle finden. Trotzdem sind bestimmte Branchen auf diese Arbeitskräfte angewiesen, namentlich Medizin, Forschung und Spitzentechnologie.
Ausländeranteil: 26,4% der Bevölkerung
Per Ende 2025 hatten 26,4% der ständigen Wohnbevölkerung keinen Schweizer Pass. Das sind rund 2’409’000 Personen. In absoluten Zahlen leben in der Schweiz mehr Ausländer als die gesamte Bevölkerung von Slowenien.
Der Ausländeranteil variiert stark nach Gemeinde — in Genf liegt er bei über 40%, in Appenzell Innerrhoden bei unter 12%. Die Gründe sind vielfältig: Sprachregion, Arbeitsmarkt, Mietniveau und historische Migrationsmuster spielen alle eine Rolle.
Aufenthaltsbewilligungen im Detail
| Bewilligungsart | Anzahl Personen (2025) | Anteil |
|---|---|---|
| C-Bewilligung (Niederlassung) | 1’285’000 | 53,3% |
| B-Bewilligung (Aufenthalt) | 842’000 | 34,9% |
| L-Bewilligung (Kurzaufenthalt) | 68’000 | 2,8% |
| Schutzstatus S (Ukraine) | 62’000 | 2,6% |
| Asylbereich (N/F) | 78’000 | 3,2% |
| Übrige | 74’000 | 3,1% |
Über die Hälfte der ausländischen Bevölkerung hat eine Niederlassungsbewilligung C — das heißt, sie leben langfristig und etabliert in der Schweiz. Viele von ihnen sind in der Schweiz geboren und kennen kein anderes Land.
Langfristiger Trend: Von Saisonniers zu Fachkräften
Die Geschichte der Schweizer Einwanderung hat sich fundamental gewandelt. In den 1960er- und 70er-Jahren kamen vorwiegend Saisonniers aus Italien und Spanien, oft für Bau und Gastronomie. Heute dominieren gut qualifizierte Arbeitskräfte aus dem EU-Raum — Ingenieure, Ärzte, Pflegefachkräfte, IT-Spezialisten.
Gleichzeitig bleibt die Asylmigration ein relevanter Faktor. Die Schweiz bearbeitete 2025 rund 28’000 Asylgesuche, davon etwa 35% mit positivem Entscheid. Die grössten Gruppen kamen aus Afghanistan, der Türkei, Eritrea und Syrien.
Auswanderung: Auch Schweizer gehen
Was oft vergessen geht: Auch Schweizerinnen und Schweizer wandern aus. Rund 800’000 Schweizer Staatsangehörige leben dauerhaft im Ausland — die sogenannte «Fünfte Schweiz». Die beliebtesten Zieländer sind Frankreich, Deutschland, die USA, Italien und das Vereinigte Königreich.
Netto verliert die Schweiz jährlich einige tausend Schweizer Bürger an die Auswanderung. Dieser Verlust wird aber durch das starke Zuwanderungswachstum mehr als kompensiert.
Datenquellen
Daten: Staatssekretariat für Migration (SEM), Bundesamt für Statistik (BFS), STATPOP. Die Zahlen für 2025 sind provisorisch.
Wie viele Menschen wandern jährlich in die Schweiz ein?
2025 betrug die Netto-Zuwanderung rund 95’000 Personen. Brutto — also ohne Gegenrechnung der Auswanderung — waren es über 180’000 Personen. Quelle: SEM, BFS STATPOP.
Aus welchem Land kommen die meisten Zuwanderer in die Schweiz?
Bei der jährlichen Netto-Zuwanderung liegt Deutschland vorn (12’400 Personen 2025). Die grösste ausländische Gemeinschaft insgesamt bilden aber die Italienerinnen und Italiener mit 332’200 Personen (Quelle: SEM).
Wie hoch ist der Ausländeranteil in der Schweiz?
Per Ende 2025 lag der Ausländeranteil bei 26,4% der ständigen Wohnbevölkerung — das sind rund 2,4 Millionen Personen ohne Schweizer Pass. In Genf überschreitet der Anteil 40%, in Appenzell Innerrhoden liegt er unter 12% (Quelle: BFS STATPOP).
Warum wandern so viele Menschen in die Schweiz ein?
Die wichtigsten Faktoren sind die Personenfreizügigkeit mit der EU (62% der Zuwanderung), hohe Löhne und Lebensqualität, Fachkräftemangel in Gesundheit, IT und Ingenieurwesen sowie politische Stabilität. Für Drittstaatsangehörige gelten strenge Kontingente gemäss AIG (Ausländer- und Integrationsgesetz).
Was ist der Unterschied zwischen B- und C-Bewilligung in der Schweiz?
Die B-Bewilligung (Aufenthalt) ist befristet und muss regelmässig verlängert werden. Die C-Bewilligung (Niederlassung) ist unbefristet und berechtigt zum dauerhaften Verbleib. Per 2025 hatten 1’285’000 Personen eine C- und 842’000 eine B-Bewilligung (Quelle: SEM).
Lesen Sie auch
- Bevölkerung Schweiz 2026: 9,1 Millionen Einwohner und kein Ende des Wachstums
- Urbanisierung Schweiz: Wie die Städte wachsen und das Land sich verändert
- Lebenserwartung Schweiz: 84 Jahre und weiter steigend
- Bevölkerungsprognose 2050: Wird die Schweiz die 10-Millionen-Marke knacken?
- Hochschulabsolventen Schweiz: Bildungsniveau und akademische Karrierewege