Im Jahr 2025 hat die Schweiz die 9-Millionen-Marke überschritten. Die Frage ist: Wie geht es weiter? Werden es 2050 tatsächlich über 10 Millionen sein? Oder bremst sich das Wachstum von selbst? Das BFS hat mehrere Szenarien berechnet — und die Spanne ist bemerkenswert gross.
Die drei BFS-Szenarien
| Szenario | Bevölkerung 2030 | Bevölkerung 2040 | Bevölkerung 2050 |
|---|---|---|---|
| Hoch | 9'620'000 | 10'290'000 | 10'840'000 |
| Referenz | 9'480'000 | 9'920'000 | 10'440'000 |
| Tief | 9'310'000 | 9'490'000 | 9'520'000 |
Im Referenzszenario — dem wahrscheinlichsten — wächst die Schweiz bis 2050 auf rund 10,4 Millionen Einwohner. Das entspricht einem durchschnittlichen Wachstum von etwa 0,5% pro Jahr — weniger als heute, aber immer noch substantiell. Im hohen Szenario könnten es sogar 10,8 Millionen werden.
Was treibt das Wachstum?
Der entscheidende Faktor ist und bleibt die Zuwanderung. Im Referenzszenario geht das BFS von einer Netto-Zuwanderung von 60'000 bis 70'000 Personen pro Jahr aus. Der natürliche Bevölkerungszuwachs (Geburten minus Todesfälle) wird dagegen ab den 2030er-Jahren negativ — es sterben dann mehr Menschen als geboren werden.
Das heisst: Ohne Zuwanderung würde die Schweizer Bevölkerung ab ca. 2035 schrumpfen. Die Schweiz ist in ihrer demografischen Zukunft vollständig von der Migration abhängig.
Altersstruktur 2050: Eine andere Schweiz
Selbst bei wachsender Gesamtbevölkerung verschiebt sich die Altersstruktur dramatisch:
| Altersgruppe | Anteil 2025 | Anteil 2050 (Referenz) |
|---|---|---|
| 0–19 Jahre | 19,8% | 17,2% |
| 20–64 Jahre | 60,4% | 53,8% |
| 65–79 Jahre | 14,2% | 17,8% |
| 80+ Jahre | 5,6% | 11,2% |
Der Anteil der über 80-Jährigen verdoppelt sich — von 5,6% auf 11,2%. Das sind über eine Million Hochbetagte, die Pflege, medizinische Versorgung und Betreuung benötigen. Die Überalterung stellt das Sozialversicherungssystem vor enorme Herausforderungen.
Was bedeutet das für die Infrastruktur?
10 Millionen Einwohner brauchen mehr von allem: Wohnungen, Strassen, Schienen, Spitäler, Schulen, Energie. Allein der Wohnungsbedarf wird bis 2050 auf über 5 Millionen Wohnungen geschätzt (heute: ca. 4,7 Mio.). Die Mietpreise dürften weiter steigen, wenn der Bau nicht Schritt hält.
Beim Verkehr plant der Bund bereits mit der Perspektive 2050: Der Ausbauschritt der Bahn 2035 (CHF 12,9 Mrd.) und das Nationalstrassen-Ausbauprogramm sollen die Kapazitäten erhöhen. Ob das reicht, ist fraglich.
Unsicherheiten: Was die Szenarien nicht vorhersagen können
Demografische Prognosen über 25 Jahre sind mit grossen Unsicherheiten behaftet. Wer hätte 2020 die Ukraine-Krise vorhergesagt, die 2022/23 zu einem Migrationsschub führte? Oder die Pandemie, die den Geburtenrückgang beschleunigte? Politische Entscheidungen — etwa eine Verschärfung der Personenfreizügigkeit — könnten die Zuwanderung stark beeinflussen.
Datenquellen
BFS, Demografische Szenarien 2025–2055 (veröffentlicht Mai 2025). Die drei Szenarien unterscheiden sich in Annahmen zu Fertilität, Lebenserwartung und Migration.