Die Schweizer Bevölkerung altert — das ist keine Neuigkeit. Aber das Tempo, in dem sich die Altersstruktur verschiebt, hat in den letzten Jahren zugenommen. 2025 waren 19,8% der Bevölkerung 65 Jahre oder älter. 2010 waren es noch 16,8%. Und die Babyboomer-Generation erreicht jetzt das Rentenalter.
Der Altersquotient nach Kantonen
Der Altersquotient misst das Verhältnis der über 65-Jährigen zu den 20- bis 64-Jährigen. Je höher der Wert, desto mehr Rentner kommen auf die erwerbsfähige Bevölkerung.
| Kanton | Altersquotient 2025 | Veränderung seit 2015 |
|---|---|---|
| Tessin | 42,1 | +8,3 |
| Basel-Stadt | 37,8 | +5,2 |
| Schaffhausen | 37,2 | +6,1 |
| Graubünden | 36,8 | +6,9 |
| Bern | 35,4 | +5,5 |
| Nidwalden | 34,9 | +7,2 |
| Glarus | 34,5 | +5,8 |
| Schweiz gesamt | 32,6 | +5,0 |
| Zürich | 29,8 | +3,9 |
| Zug | 28,2 | +4,1 |
| Freiburg | 27,4 | +4,8 |
Das Tessin sticht heraus — mit einem Altersquotienten von 42,1 kommen dort auf 100 Erwerbsfähige bereits über 42 Rentner. Das liegt an der Kombination aus tiefer Geburtenrate und dem Wegzug junger Menschen in wirtschaftlich dynamischere Kantone.
Die Babyboomer-Welle
Zwischen 1946 und 1964 kamen in der Schweiz die geburtenstarken Jahrgänge zur Welt. Diese sogenannten Babyboomer erreichen jetzt das Rentenalter — jedes Jahr gehen rund 90'000 bis 100'000 Personen in Pension. Das belastet die AHV, die Pensionskassen und das Gesundheitssystem gleichermassen.
Der Höhepunkt der Pensionierungswelle wird um 2030 erreicht sein. Danach flacht die Kurve ab, aber die Altersstruktur normalisiert sich nicht — dafür sind die Geburtenzahlen zu tief.
Was bedeutet das finanziell?
Die Kosten der Überalterung sind enorm. Gemäss Berechnungen des Bundesrats steigen die altersabhängigen Ausgaben (AHV, Ergänzungsleistungen, Gesundheit, Pflege) bis 2050 um rund 4 Prozentpunkte des BIP. Das entspricht Mehrkosten von über CHF 30 Milliarden pro Jahr.
Besonders betroffen sind Kantone mit hohem Altersquotienten und gleichzeitig begrenzter Steuerbasis. Im Tessin etwa machen die Gesundheits- und Pflegeausgaben bereits über 18% des Kantonsbudgets aus.
Pflegebedarf: Die stille Krise
In der Schweiz leben rund 164'000 Personen in Alters- und Pflegeheimen. Weitere 410'000 beziehen Spitex-Leistungen. Bis 2040 wird der Pflegebedarf gemäss BFS-Szenarien um 40 bis 60% steigen — bei gleichzeitigem Fachkräftemangel im Pflegebereich.
Die Kantone reagieren unterschiedlich: Einige investieren in ambulante Versorgung (Spitex-Ausbau), andere setzen auf neue Wohnformen (betreutes Wohnen, Generationenhäuser). Aber überall fehlt Personal.
Prognose bis 2050
Gemäss dem Referenzszenario des BFS wird der Anteil der über 65-Jährigen bis 2050 auf rund 26% steigen. Der Altersquotient schweizweit erreicht dann 46 bis 50 — fast jeder zweite Erwerbstätige «finanziert» einen Rentner. Die Bevölkerungsprognose zeigt: Ohne Zuwanderung würde die Bevölkerung ab den 2040er-Jahren schrumpfen.
Datenquellen
BFS, STATPOP, Demografische Szenarien 2025–2055. Altersquotient = (65+)/(20–64) × 100.