Vorsorgelücke Schweiz: Wie gross das Defizit bei der Altersvorsorge wirklich ist
Veroeffentlicht am 2026-03-193 Min. Lesezeit
Auf einen Blick: Die Vorsorgelücke in der Schweiz beträgt im Schnitt CHF 400'000 pro Person. Das Drei-Säulen-System deckt typischerweise nur 60–70% des letzten Lohns ab — Fachleute empfehlen 80%. Frauen tragen eine fast doppelt so grosse Lücke wie Männer, bedingt durch Teilzeitarbeit, Erwerbsunterbrechungen und den strukturellen Nachteil beim Koordinationsabzug. Quellen: BSV, BFS, ASIP.
Die Schweiz hat eines der besten Vorsorgesysteme der Welt — das Drei-Säulen-System aus AHV, Pensionskasse und privater Vorsorge. Trotzdem klafft bei vielen Menschen eine erhebliche Vorsorgelücke. Im Durchschnitt fehlen rund CHF 400'000, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten.
Die drei Säulen: Was sie leisten
Säule
Maximale Leistung/Monat
Ø effektive Leistung
AHV (1. Säule)
CHF 2'450 (Einzelperson)
CHF 1'920
Pensionskasse (2. Säule)
Individuell
CHF 1'860 (Rente) oder Kapital
Säule 3a (3. Säule)
Individuell
Ø CHF 78'000 Guthaben bei Bezug
Ein durchschnittliches Rentnerpaar erhält CHF 5'600 pro Monat aus AHV und Pensionskasse zusammen. Zum Vergleich: Die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten eines Rentnerhaushalts liegen bei rund CHF 5'800 bis 6'400 — je nach Wohnort und Lebensstil. Die Lücke ist real.
Vorsorgelücke nach Geschlecht
Indikator
Frauen
Männer
Ø AHV-Rente
CHF 1'820
CHF 2'020
Ø PK-Rente
CHF 1'280
CHF 2'440
Ø PK-Kapital bei Pensionierung
CHF 240'000
CHF 468'000
Ø Säule-3a-Guthaben
CHF 52'000
CHF 104'000
Die Vorsorgelücke bei Frauen ist fast doppelt so gross wie bei Männern. Die Ursachen sind bekannt: Teilzeitarbeit (58% der Frauen), Erwerbsunterbrüche für Kinderbetreuung, tiefere Löhne und der Koordinationsabzug in der 2. Säule, der bei Teilzeitpensen überproportional wirkt.
AHV: Unter Druck
Die AHV ist das Fundament — aber sie steht unter demografischem Druck. 2025 überstiegen die Ausgaben die Einnahmen erstmals dauerhaft. Ohne die AHV-21-Reform (Erhöhung Rentenalter Frauen auf 65, Erhöhung MWST auf 8,1%) wäre die AHV bereits im Defizit. Gemäss BSV-Szenarien braucht die AHV bis 2030 eine weitere Reform — sonst sind die Reserven bis 2035 aufgebraucht.
Was tun gegen die Vorsorgelücke?
Säule 3a maximieren: Den jährlichen Maximalbetrag einzahlen — das spart Steuern und baut Vorsorge auf. Nur 60% der Erwerbstätigen nutzen die 3a überhaupt. Der aktuelle Höchstbeitrag wird jährlich vom Bundesrat festgelegt (vgl. ESTV).
PK-Einkauf: Wer Lücken in der 2. Säule hat, kann sich freiwillig einkaufen — mit vollem Steuerabzug. Besonders für gutverdienende 50-Jährige ein effektiver Hebel.
Erwerbspensum erhöhen: Schon 10% mehr Pensum über 20 Jahre machen bei der Pensionskasse einen Unterschied von CHF 80'000 bis 120'000.
Wie gross ist die durchschnittliche Vorsorgelücke?
Rund CHF 400'000 — die Differenz zwischen benötigtem und vorhandenem Kapital im Alter. Frauen haben eine fast doppelt so grosse Lücke wie Männer.
Wie viel Rente bekommt man in der Schweiz?
Ein durchschnittliches Rentnerpaar erhält rund CHF 5'600 pro Monat aus AHV und Pensionskasse. Die maximale AHV-Rente beträgt CHF 2'450 pro Person.
Ist die AHV finanziell sicher?
Kurzfristig ja (dank AHV-21-Reform). Langfristig braucht die AHV bis 2030 eine weitere Reform, da die Ausgaben die Einnahmen übersteigen und die Reserven bis 2035 aufgebraucht wären.
Was ist der Koordinationsabzug und warum trifft er Teilzeitarbeitende besonders?
Der Koordinationsabzug ist ein gesetzlich festgelegter Betrag, der fix vom Lohn abgezogen wird, bevor das versicherte Gehalt in der Pensionskasse berechnet wird. Bei Teilzeitpensum bleibt dadurch weniger versichertes Gehalt übrig — die PK-Rente wird überproportional tiefer. Das trifft besonders Frauen, die in der Schweiz mehrheitlich Teilzeit arbeiten.
Was bringt ein PK-Einkauf kurz vor der Pensionierung?
Ein freiwilliger Einkauf in die Pensionskasse ist auch mit 55 oder 60 Jahren sinnvoll: Er erhöht die Rente oder das auszahlbare Kapital und ist vollständig vom steuerbaren Einkommen abziehbar. Bedingung: keine Vorbezüge für Wohneigentum in den letzten drei Jahren (BVG Art. 79b).
Wie viel brauche ich im Alter monatlich in der Schweiz?
Finanzexperten empfehlen 70–80% des letzten Bruttolohns. Für einen Haushalt mit CHF 9'000 Bruttolohn bedeutet das CHF 6'300–7'200 pro Monat. AHV und Pensionskasse decken typischerweise rund CHF 5'600 ab — die verbleibende Lücke muss durch Säule 3a oder privates Vermögen geschlossen werden.
Wer ist von der Vorsorgelücke am stärksten betroffen?
Besonders betroffen sind Frauen mit Teilzeitpensum oder Erwerbsunterbrüchen, Selbstständigerwerbende ohne Pensionskasse (freiwillige BVG-Versicherung möglich) und Personen, die erst im Erwachsenenalter in die Schweiz eingezogen sind und dadurch lückenhafte AHV-Beitragsjahre haben.