Die Schweiz hat eines der besten Vorsorgesysteme der Welt — das Drei-Säulen-System aus AHV, Pensionskasse und privater Vorsorge. Trotzdem klafft bei vielen Menschen eine erhebliche Vorsorgelücke. Im Durchschnitt fehlen rund CHF 400'000, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten.
Die drei Säulen: Was sie leisten
| Säule | Maximale Leistung/Monat | Ø effektive Leistung |
|---|---|---|
| AHV (1. Säule) | CHF 2'450 (Einzelperson) | CHF 1'920 |
| Pensionskasse (2. Säule) | Individuell | CHF 1'860 (Rente) oder Kapital |
| Säule 3a (3. Säule) | Individuell | Ø CHF 78'000 Guthaben bei Bezug |
Ein durchschnittliches Rentnerpaar erhält CHF 5'600 pro Monat aus AHV und Pensionskasse zusammen. Zum Vergleich: Die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten eines Rentnerhaushalts liegen bei rund CHF 5'800 bis 6'400 — je nach Wohnort und Lebensstil. Die Lücke ist real. Die aktuell tiefe Teuerungsrate Schweiz (rund 0,8% in 2026, BFS/SNB) bremst das nominale Kostenwachstum — die strukturelle Unterdeckung bleibt trotzdem erheblich.
Vorsorgelücke nach Geschlecht
| Indikator | Frauen | Männer |
|---|---|---|
| Ø AHV-Rente | CHF 1'820 | CHF 2'020 |
| Ø PK-Rente | CHF 1'280 | CHF 2'440 |
| Ø PK-Kapital bei Pensionierung | CHF 240'000 | CHF 468'000 |
| Ø Säule-3a-Guthaben | CHF 52'000 | CHF 104'000 |
Die Vorsorgelücke bei Frauen ist fast doppelt so gross wie bei Männern. Die Ursachen sind bekannt: Teilzeitarbeit (58% der Frauen), Erwerbsunterbrüche für Kinderbetreuung, tiefere Löhne und der Koordinationsabzug in der 2. Säule, der bei Teilzeitpensen überproportional wirkt.
AHV: Unter Druck
Die AHV ist das Fundament — aber sie steht unter demografischem Druck. 2025 überstiegen die Ausgaben die Einnahmen erstmals dauerhaft. Ohne die AHV-21-Reform (Erhöhung Rentenalter Frauen auf 65, Erhöhung MWST auf 8,1%) wäre die AHV bereits im Defizit. Gemäss BSV-Szenarien braucht die AHV bis 2030 eine weitere Reform — sonst sind die Reserven bis 2035 aufgebraucht.
Was tun gegen die Vorsorgelücke?
Säule 3a maximieren: Den jährlichen Maximalbetrag einzahlen — das spart Steuern und baut Vorsorge auf. Nur 60% der Erwerbstätigen nutzen die 3a überhaupt. Der aktuelle Höchstbeitrag wird jährlich vom Bundesrat festgelegt (vgl. ESTV).
PK-Einkauf: Wer Lücken in der 2. Säule hat, kann sich freiwillig einkaufen — mit vollem Steuerabzug. Besonders für gutverdienende 50-Jährige ein effektiver Hebel.
Erwerbspensum erhöhen: Schon 10% mehr Pensum über 20 Jahre machen bei der Pensionskasse einen Unterschied von CHF 80'000 bis 120'000.
Datenquellen
BSV (Bundesamt für Sozialversicherungen), AHV-Statistik. BFS, Neurentenstatistik. ASIP (Schweizerischer Pensionskassenverband). VZ VermögensZentrum.
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