Die Schweiz ist ein Steuerparadies — zumindest verglichen mit den Nachbarländern. Aber innerhalb der Schweiz klaffen die Steuerbelastungen weit auseinander. Wer in Zug wohnt, zahlt bei gleichem Einkommen weniger als die Hälfte dessen, was in Genf fällig wird. Dieser föderale Steuerwettbewerb ist weltweit einzigartig — und permanent umstritten.
Steuerbelastung nach Kantonen: Einkommenssteuer
| Kanton | Steuerbelastung bei CHF 100'000 Brutto | Steuerbelastung bei CHF 200'000 Brutto |
|---|---|---|
| Zug | CHF 7'800 | CHF 22'400 |
| Schwyz | CHF 8'900 | CHF 25'100 |
| Nidwalden | CHF 9'200 | CHF 25'800 |
| Zürich | CHF 12'600 | CHF 34'200 |
| Bern | CHF 15'100 | CHF 42'800 |
| Basel-Stadt | CHF 16'800 | CHF 48'600 |
| Genf | CHF 19'400 | CHF 55'200 |
Die Unterschiede sind dramatisch. Bei einem Bruttoeinkommen von CHF 200'000 zahlt man in Zug CHF 22'400, in Genf CHF 55'200 — das ist das 2,5-Fache. Kein Wunder, dass vermögende Steuerpflichtige systematisch in Tiefsteuerkantone ziehen.
Vermögenssteuer: Einzigartig Schweizerisch
Die Schweiz ist eines der wenigen Länder, die noch eine Vermögenssteuer erheben — in allen Kantonen ausser (de facto) Schwyz, wo der Satz bei 0,025% liegt. Die Sätze reichen von 0,025% (Schwyz) bis 1,01% (Genf) auf Reinvermögen über CHF 1 Million.
| Kanton | Vermögenssteuersatz (CHF 1 Mio.) |
|---|---|
| Schwyz | 0,025% |
| Zug | 0,11% |
| Zürich | 0,26% |
| Bern | 0,41% |
| Genf | 1,01% |
Unternehmenssteuer: Der internationale Wettbewerb
Seit der STAF-Reform 2020 liegt der effektive Gewinnsteuersatz für Unternehmen in der Schweiz zwischen 11,9% (Zug) und 24,2% (Bern). Im internationalen Vergleich ist das wettbewerbsfähig — Irland liegt bei 15%, Deutschland bei 30%, Frankreich bei 25%.
Wer zahlt wie viel? Verteilung der Steuerlast
Die Steuerverteilung in der Schweiz ist stark progressiv: Die einkommensstärksten 10% der Steuerpflichtigen zahlen 53% der direkten Bundessteuer. Die unteren 50% zahlen nur 3%. Bei der kantonalen Einkommenssteuer ist die Progression weniger stark ausgeprägt.
Finanzausgleich: Solidarität zwischen den Kantonen
Der Nationale Finanzausgleich (NFA) verteilt jährlich CHF 5,8 Milliarden von finanziell starken zu schwächeren Kantonen um. Die grössten Geber: Zürich (CHF 470 Mio.), Zug (CHF 340 Mio.), Schwyz (CHF 250 Mio.). Die grössten Empfänger: Bern (CHF 1'280 Mio.), Wallis (CHF 830 Mio.), Freiburg (CHF 340 Mio.).
Datenquellen
ESTV, Steuerbelastung in der Schweiz. EFV, Nationaler Finanzausgleich. KPMG, Swiss Tax Report. OECD, Tax Database.