Die Schweiz gibt ein Viertel ihrer Wirtschaftsleistung für die soziale Sicherheit aus — CHF 185 Milliarden pro Jahr. Das ist mehr als der gesamte Bundeshaushalt. Der Löwenanteil geht in die Altersvorsorge, gefolgt von Gesundheit und Invalidenversicherung. Doch wie verteilen sich die Mittel genau, und ist das System langfristig finanzierbar?
Sozialausgaben nach Bereich
| Bereich | Ausgaben (CHF Mrd.) | Anteil |
|---|---|---|
| Alter (AHV, BVG) | 72,0 | 39% |
| Gesundheit | 47,5 | 26% |
| Invalidität (IV) | 18,2 | 10% |
| Familie / Kinder | 12,8 | 7% |
| Arbeitslosigkeit (ALV) | 7,4 | 4% |
| Sozialhilfe & Ergänzungsleistungen | 12,6 | 7% |
| Übrige (Wohnen, Asyl, Opferhilfe) | 14,5 | 8% |
Die Altersvorsorge — AHV plus berufliche Vorsorge — ist mit Abstand der grösste Posten. Allein die AHV kostete 2025 CHF 47 Milliarden, Tendenz stark steigend. Die Vorsorgelücke wird in den kommenden Jahren zum drängendsten Problem der Sozialpolitik.
Internationaler Vergleich
| Land | Sozialausgaben in % des BIP |
|---|---|
| Frankreich | 31,5% |
| Deutschland | 26,7% |
| Schweiz | 25,4% |
| OECD-Durchschnitt | 21,1% |
| USA | 18,7% |
Die Schweiz liegt über dem OECD-Schnitt, aber unter Frankreich und Deutschland. Der Unterschied: In der Schweiz wird ein grösserer Teil privat finanziert (Krankenkassenprämien, 2. Säule), während in Frankreich und Deutschland der Staat einen höheren Anteil trägt.
Sozialhilfe: 3,3% der Bevölkerung betroffen
Rund 290'000 Personen bezogen 2025 Sozialhilfe — das entspricht einer Quote von 3,3%. Diese Zahl ist seit 2019 stabil. Besonders betroffen sind:
- Alleinerziehende: Sozialhilfequote von 14,2%
- Ausländische Staatsangehörige: Quote von 6,1% (Schweizer: 2,1%)
- Kinder unter 18 Jahren: Quote von 5,1%
- Personen ohne Berufsausbildung: Quote von 8,9%
Die durchschnittliche Bezugsdauer liegt bei 38 Monaten. Ein Drittel der Beziehenden schafft den Ausstieg innerhalb von 12 Monaten, aber 22% bleiben über 5 Jahre im System.
Ergänzungsleistungen zur AHV/IV
Rund 346'000 Personen erhalten Ergänzungsleistungen (EL) — 13% aller AHV- und 45% aller IV-Rentner. Die durchschnittliche EL beträgt CHF 1'680 pro Monat. Die Kosten haben sich seit 2005 auf CHF 5,8 Milliarden verdoppelt.
Prognose: Kostendruck durch Demografie
Die Bevölkerungsprognose zeigt klar: Der Anteil der über 65-Jährigen steigt von heute 19% auf 26% im Jahr 2050. Ohne Reformen werden die AHV-Ausgaben bis 2035 auf CHF 60 Milliarden anwachsen. Die laufende Debatte um ein höheres Rentenalter, Mehrwertsteuer-Erhöhungen oder eine stärkere Finanzierung über die 2. Säule wird die nächsten Jahre prägen.
Datenquellen
BSV, Gesamtrechnung der Sozialen Sicherheit. BFS, Sozialhilfestatistik. BSV, AHV-Statistik. OECD, Social Expenditure Database.