Der Schweizer Lehrstellenmarkt hat sich fundamental verändert. Noch vor zehn Jahren war es für viele Jugendliche schwierig, eine Lehrstelle zu finden. Heute ist es umgekehrt: Betriebe suchen händeringend nach Lernenden, und viele Lehrstellen bleiben unbesetzt.
Angebot und Nachfrage
| Jahr | Angebotene Lehrstellen | Suchende Jugendliche | Unbesetzte Stellen |
|---|---|---|---|
| 2018 | 84'000 | 83'000 | 5'800 |
| 2020 | 86'000 | 80'000 | 8'200 |
| 2022 | 90'000 | 81'000 | 11'400 |
| 2024 | 94'000 | 82'000 | 14'200 |
| 2025 | 96'000 | 82'000 | 16'000 |
2025 blieben rund 16'000 Lehrstellen unbesetzt — ein Rekord. Die Ursache ist demografisch: Die geburtenschwachen Jahrgänge kommen auf den Markt, gleichzeitig besuchen mehr Jugendliche weiterführende Schulen (Gymnasium, Fachmittelschule) statt eine Lehre zu machen.
Branchen mit grösstem Mangel
| Branche | Unbesetzte Lehrstellen (%) |
|---|---|
| Gastgewerbe | 28% |
| Bau | 24% |
| Lebensmittelhandwerk | 22% |
| Detailhandel | 18% |
| Pflege & Betreuung | 16% |
| Elektro/Sanitär | 14% |
| Informatik | 4% |
Das Gastgewerbe hat das grösste Problem: Über ein Viertel der Lehrstellen für Koch, Restaurationsfachfrau etc. bleiben unbesetzt. Unregelmässige Arbeitszeiten und tiefe Löhne schrecken ab. In der Informatik dagegen gibt es fast keinen Mangel — dort bewerben sich deutlich mehr Jugendliche, als es Plätze gibt.
Beliebteste Lehrberufe
| Beruf | Neue Lehrverträge 2025 |
|---|---|
| Kauffrau/-mann EFZ | 12'800 |
| Fachfrau/-mann Gesundheit | 4'600 |
| Informatiker/in EFZ | 3'800 |
| Detailhandelsfachfrau/-mann | 3'200 |
| Elektroinstallateur/in | 2'800 |
| Zimmermann/Zimmerin | 1'400 |
Die KV-Lehre bleibt mit Abstand die beliebteste — obwohl der Beruf durch die Digitalisierung stark im Wandel ist. Die 2023 eingeführte Reform (neue Handlungskompetenzen, mehr Praxisorientierung) soll die Ausbildung fit für die Zukunft machen.
Lehrabbruchquote
Rund 22% der Lehrverträge werden vorzeitig aufgelöst. Das klingt hoch, aber: Über 80% der Betroffenen beginnen danach eine neue Ausbildung — oft in einem anderen Beruf. Die echte Dropout-Quote (kein Abschluss auf Sekundarstufe II) liegt bei rund 5%.
Datenquellen
SBFI, Lehrstellenbarometer. BFS, Statistik der beruflichen Grundbildung. SECO, Jugendarbeitslosigkeit.