Lebenslanges Lernen ist in der Schweiz kein leeres Schlagwort — sondern gelebte Realität. 63% der Erwerbstätigen haben 2025 an mindestens einer Weiterbildung teilgenommen (formell oder nicht-formell). Damit liegt die Schweiz an der Spitze Europas — vor Schweden (60%), Dänemark (58%) und den Niederlanden (55%).
Teilnahmequote nach Bevölkerungsgruppen
| Gruppe | Teilnahmequote |
|---|---|
| Erwerbstätige gesamt | 63% |
| Hochschulabschluss | 78% |
| Berufsabschluss (Lehre) | 58% |
| Ohne nachobligatorische Ausbildung | 28% |
| 25–34 Jahre | 72% |
| 55–64 Jahre | 48% |
| Schweizer Staatsangehörige | 67% |
| Ausländische Bevölkerung | 51% |
Das Muster ist klar: Wer schon viel Bildung hat, bildet sich am meisten weiter. Personen ohne nachobligatorische Ausbildung nehmen nur zu 28% an Weiterbildung teil — obwohl sie es am nötigsten hätten. Dieses «Matthäus-Prinzip» ist ein bekanntes Problem der Weiterbildungspolitik.
Weiterbildungsformen
| Form | Anteil der Teilnehmenden |
|---|---|
| Kurse und Seminare | 52% |
| Konferenzen und Workshops | 28% |
| Selbststudium (online) | 34% |
| Formelle Ausbildung (CAS/MAS/Nachdiplom) | 12% |
| Coaching/Mentoring | 8% |
Online-Selbststudium hat seit der Pandemie stark zugelegt — 2019 lag der Anteil noch bei 18%, 2025 bei 34%. Plattformen wie LinkedIn Learning, Coursera und firmenintterne E-Learning-Tools haben den Zugang demokratisiert.
Wer bezahlt?
In rund 55% der Fälle finanziert der Arbeitgeber die Weiterbildung ganz oder teilweise. 30% zahlen die Teilnehmenden selbst. 15% werden durch öffentliche Mittel (Stipendien, Beiträge, Arbeitslosenversicherung) finanziert. Die durchschnittlichen Kosten pro Weiterbildung liegen bei CHF 2'800 (ohne formelle Studiengänge).
Branchen mit höchster Weiterbildungsteilnahme
| Branche | Teilnahmequote |
|---|---|
| Pharma & Gesundheit | 82% |
| IT & Telekommunikation | 78% |
| Finanzdienstleistungen | 74% |
| Öffentliche Verwaltung | 68% |
| Bildung | 76% |
| Bau | 42% |
| Gastgewerbe | 34% |
Im Gastgewerbe und im Bau ist die Weiterbildungsquote am tiefsten — obwohl die Digitalisierung auch dort Kompetenzen erfordert. Hoher Zeitdruck, tiefe Margen und das Fehlen formeller Strukturen bremsen die Teilnahme.
Datenquellen
BFS, Mikrozensus Aus- und Weiterbildung (MZB). SVEB (Schweizerischer Verband für Weiterbildung). Eurostat, Adult Education Survey.