Die Schweizer Haushalte sind hoch verschuldet — zumindest auf dem Papier. Die Gesamtverschuldung der privaten Haushalte beträgt rund CHF 1'048 Milliarden, was 128% des BIP entspricht. Im internationalen Vergleich gehört das zu den höchsten Werten weltweit. Aber ein genauer Blick relativiert das Bild.
Struktur der Haushaltsverschuldung
| Schuldenart | Betrag (Mrd. CHF) | Anteil |
|---|---|---|
| Hypothekarschulden | 920 | 87,8% |
| Konsumkredite | 12 | 1,1% |
| Übrige Schulden (Steuerausstände etc.) | 48 | 4,6% |
| Kontokorrentkredite | 28 | 2,7% |
| Leasing | 40 | 3,8% |
88% der Verschuldung sind Hypothekarschulden — also durch Immobilien besichert. Das ist ein fundamentaler Unterschied zu Ländern wie den USA, wo Kreditkarten- und Konsumschulden eine grosse Rolle spielen. In der Schweiz liegt der Konsumkredit-Anteil bei nur 1,1%.
Warum sind die Hypothekarschulden so hoch?
In der Schweiz ist es üblich, Hypotheken nicht vollständig zu amortisieren. Anders als in Deutschland oder den USA, wo man das Haus abbezahlt, bleibt in der Schweiz typischerweise eine zweite Hypothek stehen — oft über Jahrzehnte. Das hat steuerliche Gründe: Die Hypothekarzinsen können vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden, während der Eigenmietwert besteuert wird. Es lohnt sich also steuerlich, Schulden zu behalten.
Verschuldung im internationalen Vergleich
| Land | Haushaltsverschuldung (% BIP) |
|---|---|
| Schweiz | 128% |
| Australien | 119% |
| Dänemark | 112% |
| Niederlande | 98% |
| Vereinigtes Königreich | 86% |
| USA | 75% |
| Deutschland | 54% |
Die Schweiz liegt an der Spitze — aber mit dem Vermögen als Gegenposten. Das Nettovermögen (Bruttovermögen minus Schulden) der Schweizer Haushalte ist das höchste der Welt. Die hohe Verschuldung ist also kein Zeichen von Armut, sondern von Immobilienbesitz in einem teuren Markt.
Risiken
Die SNB beobachtet die Hypothekarverschuldung genau. Das grösste Risiko: ein gleichzeitiger Zinsanstieg und Immobilienpreisrückgang. Wenn die Hypothekarzinsen stark steigen und die Immobilienpreise sinken, könnten Eigentümer in Schwierigkeiten geraten. Die SNB hat deshalb den antizyklischen Kapitalpuffer aktiviert, der Banken zwingt, mehr Eigenmittel zu halten.
Datenquellen
SNB, Finanzstabilitätsbericht. BFS, HABE. BIZ (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich), Total Credit Statistics.