Eigentumsquote Schweiz: Warum so wenige Schweizer ein Eigenheim besitzen

In Rumänien besitzen 96% der Haushalte ihr Eigenheim. In Spanien 76%. In Deutschland 50%. Und in der Schweiz? Gerade einmal 36,4%. Damit ist die Schweiz das Land mit der tiefsten Eigentumsquote in ganz Europa. Aber warum eigentlich?

Eigentumsquote im europäischen Vergleich

Eigentumsquote Schweiz: Warum so wenige Schweizer ein Eigenheim besitzen
LandEigentumsquote
Rumänien96,1%
Spanien76,2%
Italien73,7%
Vereinigtes Königreich65,2%
Frankreich64,8%
Österreich55,2%
Deutschland50,5%
Schweiz36,4%

Die Schweiz liegt nicht nur am Ende — sie liegt mit Abstand am Ende. Der nächsttiefere Wert (Deutschland mit 50,5%) ist 14 Prozentpunkte höher.

Warum ist die Eigentumsquote so tief?

1. Die Preise: Ein durchschnittliches Einfamilienhaus kostet in der Schweiz rund CHF 1,2 Millionen. In Zürich, Genf oder Zug leicht das Doppelte. Um sich das leisten zu können, braucht man bei einer Eigenkapitalanforderung von 20% mindestens CHF 240'000 Eigenmittel — plus ein Haushaltseinkommen von über CHF 180'000 für die Tragbarkeit.

2. Mieterschutz: Die Schweiz hat einen starken Mieterschutz — Bestandsmieten sind an den Referenzzinssatz gebunden, Kündigungen sind schwierig, und Genossenschaften bieten günstigen Wohnraum. Das macht Mieten attraktiver als in Ländern mit schwächerem Mieterschutz.

3. Steuerliche Nachteile: Der Eigenmietwert — eine fiktive Besteuerung des «Mietwerts» der eigenen Wohnung — belastet Eigentümer zusätzlich. Dieses System ist weltweit fast einmalig und macht Wohneigentum steuerlich weniger attraktiv.

4. Genossenschaften: Rund 7% des Wohnungsbestands gehört Genossenschaften, die Wohnungen zu Kostenmiete vermieten — oft 20-30% unter Marktpreis. Dieses Angebot reduziert den Druck, Eigentum zu erwerben.

Eigentumsquote nach Kantonen

KantonEigentumsquote
Wallis57,2%
Jura52,4%
Appenzell I.Rh.51,8%
Thurgau47,6%
Schweiz gesamt36,4%
Zürich28,4%
Genf18,2%
Basel-Stadt15,1%

Das Wallis hat die höchste Eigentumsquote — Land ist dort günstiger, die Baukosten tiefer und die Tradition des Eigenheims stärker verankert. In Basel-Stadt besitzen nur 15% der Haushalte ihre Wohnung — Stadtwohnungen sind meist Mietwohnungen.

Trend: Leicht steigend, aber langsam

Eigentumsquote Schweiz: Warum so wenige Schweizer ein Eigenheim besitzen - illustration

Die Eigentumsquote ist in den letzten 20 Jahren von 34,6% (2000) auf 36,4% (2025) gestiegen — ein Plus von knapp 2 Prozentpunkten. Das Stockwerkeigentum (Eigentumswohnungen) hat dazu beigetragen, Eigentum in städtischen Gebieten zugänglicher zu machen. Trotzdem: Bei den aktuellen Immobilienpreisen und Hypothekarzinsen wird der Trend kaum beschleunigen.

Datenquellen

BFS, Gebäude- und Wohnungsstatistik (GWS). Eurostat, EU-SILC. Wüest Partner.

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Haeufig gestellte Fragen

Wie hoch ist die Eigentumsquote in der Schweiz?
36,4% der Haushalte wohnen in den eigenen vier Wänden — der tiefste Wert in Europa. In städtischen Kantonen wie Basel-Stadt sind es nur 15%.
Warum gibt es in der Schweiz so wenige Eigenheimbesitzer?
Hohe Immobilienpreise (Ø CHF 1,2 Mio. für ein Einfamilienhaus), strenge Tragbarkeitsregeln, Eigenmietwert-Besteuerung und ein starker Mieterschutz machen Mieten vergleichsweise attraktiv.
In welchem Kanton ist Wohneigentum am verbreitetsten?
Im Wallis mit 57,2%, gefolgt vom Jura (52,4%) und Appenzell Innerrhoden (51,8%). Dort sind Bauland und Immobilien deutlich günstiger als in den Zentren.

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