Die Schweiz gilt als eines der sichersten Länder der Welt — und die Statistik gibt ihr recht. Doch hinter der Gesamtzahl von rund 432'000 registrierten Straftaten pro Jahr verbergen sich gegenläufige Trends: Während klassische Delikte wie Einbrüche seit Jahren rückläufig sind, explodiert die Cyberkriminalität förmlich.
Gesamtübersicht: Registrierte Straftaten
| Deliktgruppe | Anzahl 2025 | Veränderung seit 2020 |
|---|---|---|
| Straftaten gegen das Vermögen | 198'000 | -8% |
| Straftaten gegen Leib und Leben | 42'500 | +3% |
| Cyberkriminalität | 52'800 | +198% |
| Betäubungsmitteldelikte | 78'000 | -12% |
| Straftaten gegen die sexuelle Integrität | 9'200 | +15% |
| Übrige Straftaten StGB | 51'500 | +2% |
Die Vermögensdelikte machen fast die Hälfte aller Straftaten aus — Diebstahl, Betrug, Sachbeschädigung. Was die Polizei in der ganzen Schweiz beschäftigt, ist aber zunehmend das Digitale: 52'800 Cybercrime-Fälle wurden 2025 registriert, dreimal so viele wie 2020.
Einbrüche: Der langfristige Rückgang
Einbruchdiebstähle sind in der Schweiz seit dem Höhepunkt 2012 um über 50% zurückgegangen. Damals waren es rund 55'000 Fälle, 2025 noch 24'700. Die Gründe: bessere Sicherheitstechnik, verstärkte Polizeipräsenz in Hotspots und die Aufhebung der Personenfreizügigkeit für Kurzaufenthalter aus bestimmten Ländern.
Trotzdem: Die Aufklärungsquote bei Einbrüchen bleibt tief — nur rund 15% der Fälle werden gelöst.
Cyberkriminalität: Die neue Realität
| Art der Cyberkriminalität | Fälle 2025 | Veränderung ggü. 2022 |
|---|---|---|
| Betrug (Online-Kauf, Romance Scam) | 21'400 | +85% |
| Phishing / Account-Diebstahl | 14'200 | +120% |
| Ransomware / Erpressung | 4'800 | +210% |
| Cyber-Mobbing / Online-Belästigung | 6'300 | +45% |
| Sonstiges (Hacking, DDoS) | 6'100 | +60% |
Besonders Ransomware-Angriffe auf KMU und Gemeinden haben zugenommen. Der durchschnittliche Schaden pro Angriff liegt bei CHF 120'000 — bei grösseren Unternehmen kann er in die Millionen gehen. Das Nationale Zentrum für Cybersicherheit (NCSC) empfiehlt dringend, kein Lösegeld zu zahlen.
Kriminalität nach Kantonen
| Kanton | Straftaten pro 1'000 Einwohner | Aufklärungsquote |
|---|---|---|
| Genf | 86 | 28% |
| Basel-Stadt | 78 | 32% |
| Zürich | 62 | 34% |
| Waadt | 58 | 30% |
| Bern | 45 | 36% |
| Appenzell I.Rh. | 18 | 52% |
| Schweiz gesamt | 49 | 33% |
Städtische Kantone wie Genf und Basel-Stadt haben erwartungsgemäss höhere Kriminalitätsraten als ländliche Regionen. In Appenzell Innerrhoden — dem sichersten Kanton — ist die Rate viermal tiefer als in Genf.
Gewaltdelikte: Stagnation auf tiefem Niveau
Die Schweiz verzeichnet pro Jahr rund 50 Tötungsdelikte (davon ca. 40 vollendete). Das ergibt eine Mordrate von 0,5 pro 100'000 Einwohner — einer der tiefsten Werte weltweit. Zum Vergleich: In den USA liegt sie bei 6,3. Auch schwere Körperverletzungen sind seit 2015 stabil bei rund 3'200 Fällen pro Jahr.
Allerdings: Häusliche Gewalt macht einen wachsenden Anteil der Gewaltdelikte aus. 2025 wurden 19'600 Fälle registriert — ein Anstieg von 22% seit 2018. Ob das an einer tatsächlichen Zunahme oder an einer höheren Anzeigebereitschaft liegt, ist unter Fachleuten umstritten.
Datenquellen
Bundesamt für Statistik (BFS), Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS). NCSC, Cyber-Lagebild Schweiz. fedpol, Jahresbericht.