Die Schweiz ist eines der reichsten Länder der Welt — und doch leben 722'000 Menschen unter der Armutsgrenze. Das sind 8,2% der ständigen Wohnbevölkerung. Weitere 1,1 Millionen sind armutsgefährdet. Die Armutsgrenze liegt bei CHF 2'289 pro Monat für eine Einzelperson. Für eine vierköpfige Familie sind es CHF 3'989.
Armutsquote in der Schweiz
| Indikator | Wert 2025 |
|---|---|
| Armutsquote | 8,2% |
| Betroffene Personen | 722'000 |
| Armutsgefährdungsquote | 14,6% |
| Working Poor | 155'000 |
| Armutsgrenze (Einzelperson) | CHF 2'289/Monat |
| Armutsgrenze (Familie, 2 Kinder) | CHF 3'989/Monat |
Besonders alarmierend: 155'000 Personen sind sogenannte Working Poor — sie arbeiten mindestens 90% und verdienen trotzdem nicht genug zum Leben. Das betrifft vor allem Angestellte im Detailhandel, in der Gastronomie und in der Reinigung.
Wer ist besonders betroffen?
| Gruppe | Armutsquote |
|---|---|
| Alleinerziehende | 16,4% |
| Personen ohne Berufsausbildung | 12,8% |
| Über 65-Jährige (ohne EL) | 10,1% |
| Ausländische Staatsangehörige | 11,3% |
| Einpersonenhaushalte | 10,9% |
| Paare mit 3+ Kindern | 9,8% |
Alleinerziehende tragen das höchste Armutsrisiko: Jede sechste alleinerziehende Person lebt unter der Armutsgrenze. Die Kombination aus niedrigem Einkommen (oft Teilzeit), hohen Mietkosten und teurer Kinderbetreuung macht es fast unmöglich, ohne Sozialhilfe über die Runden zu kommen.
Armut nach Kantonen
Die Armutsquote variiert stark zwischen den Kantonen. Städtische Kantone wie Genf (11,4%) und Waadt (10,2%) haben höhere Quoten als Zentralschweizer Kantone wie Nidwalden (4,1%) oder Zug (4,8%). Das liegt teils an den höheren Lebenshaltungskosten in den Städten, teils an der unterschiedlichen Bevölkerungsstruktur.
Kinderarmut: Das übersehene Problem
In der Schweiz leben rund 108'000 Kinder unter der Armutsgrenze — das ist jedes zwölfte Kind. Die Kinderarmutsquote von 5,1% ist zwar tiefer als in Deutschland (14,8%) oder Frankreich (11,2%), aber für ein Land mit dem Wohlstand der Schweiz beunruhigend hoch.
Studien zeigen: Kinder, die in Armut aufwachsen, erreichen seltener höhere Bildungsabschlüsse und haben ein erhöhtes Risiko, auch als Erwachsene arm zu bleiben. Der Teufelskreis der Armut beginnt oft in der Kindheit.
Internationaler Vergleich
| Land | Armutsquote |
|---|---|
| Tschechien | 5,6% |
| Dänemark | 6,1% |
| Schweiz | 8,2% |
| Deutschland | 14,8% |
| USA | 17,8% |
Die Schweiz schneidet im internationalen Vergleich relativ gut ab, aber die Armutsgrenze wird auch höher angesetzt als in den meisten Ländern. Wer in der Schweiz arm ist, hat absolut gesehen mehr als ein Armer in Portugal — aber relativ zur Gesellschaft, in der er lebt, ist die Situation vergleichbar.
Datenquellen
BFS, Erhebung über die Einkommen und Lebensbedingungen (SILC). Caritas Schweiz, Sozialalmanach. SKOS, Richtlinien zur Ausgestaltung der Sozialhilfe.