Psychische Gesundheit war lange ein Tabuthema in der Schweiz. Das ändert sich — aber die Zahlen, die ans Licht kommen, sind alarmierend. Gemäss der Schweizerischen Gesundheitsbefragung (SGB) 2022/23 berichten 32% der Bevölkerung über mittlere bis hohe psychische Belastungen. Bei jungen Frauen zwischen 15 und 24 Jahren sind es sogar 42%.
Die wichtigsten Zahlen
| Indikator | Wert |
|---|---|
| Psychische Belastung (mittel-hoch) | 32% der Bevölkerung |
| Diagnostizierte Depression (Lebenszeit) | 14,8% |
| Angststörung (Lebenszeit) | 11,2% |
| Burnout-Symptome (letzte 12 Monate) | 21% |
| Suizide pro Jahr | ~1'000 |
| Psychiatrische Hospitalisierungen/Jahr | 82'000 |
| IV-Renten wegen psychischer Erkrankung | 46% aller Neurenten |
46% aller neuen IV-Renten werden wegen psychischer Erkrankungen gesprochen — mehr als wegen aller anderen Ursachen zusammen. Das zeigt, wie stark psychische Probleme die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen.
Trend: Die Jungen leiden am meisten
| Altersgruppe | Psychische Belastung 2017 | Psychische Belastung 2023 |
|---|---|---|
| 15–24 Jahre | 28% | 38% |
| 25–34 Jahre | 24% | 31% |
| 35–49 Jahre | 22% | 28% |
| 50–64 Jahre | 20% | 26% |
| 65+ Jahre | 18% | 21% |
Der stärkste Anstieg zeigt sich bei den 15- bis 24-Jährigen — plus 10 Prozentpunkte in 6 Jahren. Experten führen das auf Social Media, Leistungsdruck, Zukunftsängste (Klima, Wirtschaft) und die Nachwirkungen der Pandemie zurück. Bei jungen Frauen ist die Zunahme besonders stark.
Kosten psychischer Erkrankungen
Psychische Erkrankungen verursachen in der Schweiz geschätzte Gesamtkosten von CHF 18 bis 20 Milliarden pro Jahr — direkte medizinische Kosten (Therapie, Medikamente, Hospitalisierung) plus indirekte Kosten (Arbeitsausfall, Produktivitätsverlust, IV-Renten). Das entspricht rund 2,4% des BIP.
Versorgungslücke
Obwohl der Bedarf steigt, ist die psychiatrische Versorgung in vielen Regionen unzureichend. Die Wartezeiten für einen Therapieplatz betragen in Zürich und Bern 3 bis 6 Monate, in ländlichen Gebieten noch länger. Der Mangel an Psychiatern und Psychotherapeuten ist akut — trotz des 2022 eingeführten Anordnungsmodells, das den Zugang zu psychologischer Psychotherapie über die Grundversicherung erleichtern sollte.
Suizidprävention
In der Schweiz sterben jährlich rund 1'000 Personen durch Suizid — dreimal mehr als durch Verkehrsunfälle. Die Suizidrate liegt bei 10,5 pro 100'000 Einwohner und ist bei Männern dreimal höher als bei Frauen. Die Dunkelziffer bei Suizidversuchen ist nochmals deutlich höher: geschätzt 15'000 bis 25'000 Versuche pro Jahr.
Datenquellen
BFS, Schweizerische Gesundheitsbefragung (SGB). OBSAN, Monitoring psychische Gesundheit. BAG, Suizidprävention. BSV, IV-Statistik.