Die Schweiz hat eine der höchsten Ärztedichten der Welt — 4,5 praktizierende Ärzte pro 1'000 Einwohner. Nur Österreich (5,4) und Griechenland (6,2) liegen in Europa höher. Aber der nationale Durchschnitt verschleiert ein massives Verteilungsproblem.
Ärztedichte nach Kantonen
| Kanton | Ärzte pro 1'000 Einw. | Hausärzte pro 1'000 Einw. |
|---|---|---|
| Basel-Stadt | 8,2 | 1,4 |
| Genf | 6,8 | 1,2 |
| Zürich | 4,8 | 0,9 |
| Bern | 4,6 | 0,8 |
| Waadt | 4,4 | 0,9 |
| Schweiz gesamt | 4,5 | 0,8 |
| Luzern | 3,6 | 0,7 |
| Thurgau | 2,8 | 0,6 |
| Schwyz | 2,4 | 0,5 |
| Appenzell I.Rh. | 2,2 | 0,4 |
| Uri | 2,1 | 0,4 |
Basel-Stadt hat fast viermal so viele Ärzte pro Kopf wie Uri. Das liegt an der Konzentration von Spitälern, Universitätskliniken und Spezialarztpraxen in den Städten. Im ländlichen Raum fehlen dagegen vor allem Hausärzte — ein Problem, das sich in den kommenden Jahren verschärfen wird.
Hausarztmangel: Die Zahlen
In der Schweiz praktizieren rund 7'400 Hausärzte (Allgemeinmediziner und Internisten in der Grundversorgung). Das Problem: Über 55% von ihnen sind über 55 Jahre alt. In den nächsten 10 Jahren werden rund 3'000 bis 4'000 Hausärzte pensioniert — und es rücken nicht genug nach.
Besonders akut ist die Lage in ländlichen Gemeinden. Dort hat eine Hausarztpraxis oft 2'000 bis 3'000 Patienten — doppelt so viele wie empfohlen. Wenn der Arzt in Pension geht, findet sich häufig kein Nachfolger.
Spezialisten: Überangebot in den Städten
Während Hausärzte fehlen, gibt es in den Städten ein Überangebot an Spezialisten — insbesondere Dermatologen, Radiologen und Psychiater. Das treibt die Gesundheitskosten in die Höhe, weil mehr Spezialisten mehr Leistungen erbringen (angebotsinduzierte Nachfrage).
Der Bundesrat hat deshalb die Zulassungssteuerung eingeführt: In überversorgten Regionen dürfen keine neuen Spezialarztpraxen eröffnet werden. Die Wirkung ist umstritten.
Ausländische Ärzte
Rund 38% der in der Schweiz tätigen Ärzte haben ihr Diplom im Ausland erworben — hauptsächlich in Deutschland (18%), Frankreich (5%), Italien (4%) und Österreich (3%). Ohne diese Ärzte würde das Schweizer Gesundheitssystem zusammenbrechen. Gleichzeitig wirft das ethische Fragen auf: Die Schweiz «importiert» Ärzte aus Ländern, die sie selbst dringend bräuchten.
Datenquellen
FMH, Ärztestatistik. BFS, Medizinische Statistik der Krankenhäuser. OBSAN (Schweizerisches Gesundheitsobservatorium).