Wer in der Schweiz zum Arzt geht, bezahlt — direkt oder indirekt — einen stolzen Preis. Mit CHF 9'076 pro Person und Jahr liegen die Gesundheitsausgaben so hoch wie fast nirgendwo sonst auf der Welt. Nur die USA geben noch mehr aus. Die Frage, die Gesundheitspolitiker, Kantone und die Bevölkerung gleichermassen umtreibt: Bekommen wir für dieses Geld auch die beste Versorgung?
Gesundheitsausgaben im internationalen Vergleich
| Land | Ausgaben pro Kopf (USD PPP) | Anteil am BIP |
|---|---|---|
| USA | 12'555 | 17,8% |
| Schweiz | 9'076 | 12,1% |
| Deutschland | 7'383 | 12,7% |
| Frankreich | 6'115 | 12,3% |
| OECD-Durchschnitt | 4'986 | 9,2% |
Die Schweiz gibt 12,1% ihres BIP für Gesundheit aus. Dieser Anteil ist seit dem Jahr 2000 von 9,3% kontinuierlich gestiegen. Kantone wie Genf oder Basel-Stadt liegen dabei deutlich über dem Durchschnitt, ländliche Kantone wie Appenzell Innerrhoden darunter.
Wohin fliesst das Geld?
| Bereich | Anteil an Gesamtkosten | Kosten pro Kopf (CHF) |
|---|---|---|
| Spitäler (stationär) | 34% | 3'086 |
| Ambulante Versorgung | 28% | 2'541 |
| Medikamente | 12% | 1'089 |
| Langzeitpflege | 14% | 1'271 |
| Prävention | 2% | 182 |
| Verwaltung & Übriges | 10% | 907 |
Der grösste Kostenblock sind die Spitäler mit einem Drittel der Gesamtausgaben. Was auffällt: Nur 2% fliessen in die Prävention. Experten des BAG kritisieren seit Jahren, dass hier zu wenig investiert wird — obwohl Prävention langfristig günstiger wäre als Behandlung.
Kostenentwicklung seit 2000
Im Jahr 2000 lagen die Gesundheitskosten bei CHF 45 Milliarden. 2025 erreichten sie CHF 87 Milliarden — fast eine Verdoppelung. Die Gründe sind vielfältig:
- Demografie: Mehr ältere Menschen brauchen mehr Pflege. Über 65-Jährige verursachen dreimal so hohe Kosten wie 25- bis 44-Jährige.
- Medizintechnik: Neue Therapien und Medikamente sind wirksamer, aber auch teurer. Biologika kosten teilweise CHF 50'000 pro Jahr.
- Spezialistendichte: Die Schweiz hat mit 4,4 Ärzten pro 1'000 Einwohner eine der höchsten Ärztedichten weltweit — und Spezialisten kosten mehr als Hausärzte.
- Ambulantisierung: Viele Eingriffe werden ambulant statt stationär durchgeführt. Das entlastet die Spitäler, erhöht aber die ambulanten Kosten.
Wer bezahlt was?
| Finanzierungsquelle | Anteil |
|---|---|
| Obligatorische Grundversicherung (OKP) | 36% |
| Out-of-Pocket (Franchise, Selbstbehalt) | 28% |
| Staat (Bund, Kantone, Gemeinden) | 20% |
| Zusatzversicherungen | 9% |
| Andere (AHV/IV, Unfallversicherung) | 7% |
Der hohe Out-of-Pocket-Anteil von 28% ist im internationalen Vergleich ungewöhnlich. In Frankreich beträgt er nur 9%, in Deutschland 13%. Das liegt an Franchise (CHF 300–2'500 pro Jahr) und Selbstbehalt (10% der Kosten). Vor allem für Familien und chronisch Kranke ist das eine erhebliche Belastung.
Kantonsunterschiede bei den Prämien
Die Krankenkassenprämien variieren stark nach Kanton. Für eine erwachsene Person mit CHF 2'500 Franchise lagen die monatlichen Durchschnittsprämien 2026 zwischen CHF 298 (Appenzell Innerrhoden) und CHF 511 (Genf). Das ist eine Differenz von 71%.
Prognose: Wohin geht die Reise?
Das BAG rechnet bis 2030 mit einem Anstieg der Gesamtkosten auf CHF 100 Milliarden. Der Bundesrat diskutiert verschiedene Massnahmen zur Kostendämpfung: Referenzpreissystem für Medikamente, einheitliche Finanzierung ambulant/stationär (EFAS), und Stärkung der Hausarztmedizin. Ob diese Massnahmen ausreichen, wird sich zeigen.
Datenquellen
BFS, Statistik der Kosten und der Finanzierung des Gesundheitswesens. OECD Health Statistics. BAG, Statistik der obligatorischen Krankenversicherung.