Die Schweizer Gletscher sind das sichtbarste Zeichen des Klimawandels in Europa. Was über Jahrtausende gewachsen ist, schmilzt innert Jahrzehnten weg. Seit 1850 haben die Alpengletscher über 60% ihres Volumens verloren. Und der Prozess beschleunigt sich.
Eisverlust seit 2000
| Periode | Durchschnittlicher jährlicher Volumenverlust |
|---|---|
| 1960–1990 | -0,3% pro Jahr |
| 1990–2010 | -0,7% pro Jahr |
| 2010–2020 | -1,4% pro Jahr |
| 2020–2025 | -2,1% pro Jahr |
| 2023 (Rekordjahr) | -4% in einem Jahr |
2023 war das schlimmste Jahr in der Messgeschichte: Die Gletscher verloren rund 4% ihres Volumens in einem einzigen Sommer — das Äquivalent von 3 Kubikkilometern Eis. Der Grund: wenig Schnee im Winter, extreme Hitze im Sommer.
Bedrohte Gletscher
| Gletscher | Fläche 2025 (km²) | Fläche 1973 (km²) | Verlust |
|---|---|---|---|
| Grosser Aletschgletscher | 74,2 | 86,6 | -14,3% |
| Gornergletscher | 38,4 | 46,8 | -17,9% |
| Rhonegletscher | 6,1 | 11,2 | -45,5% |
| Morteratschgletscher | 5,8 | 8,4 | -31,0% |
| Triftgletscher | 5,2 | 12,8 | -59,4% |
Der Triftgletscher hat fast 60% seiner Fläche verloren — und an seiner Stelle ist ein neuer Gletschersee entstanden. Der Rhonegletscher, eines der bekanntesten Schweizer Wahrzeichen, hat sich so stark zurückgezogen, dass der Eisgrotte-Tourismus kaum noch möglich ist.
Konsequenzen
Wasserversorgung: Die Gletscher speichern rund 54 Kubikkilometer Wasser. Im Sommer speisen sie Flüsse und Kraftwerke. Wenn das Eis weg ist, fehlt dieser Puffer — die Wasserkraftproduktion könnte langfristig um 10 bis 20% sinken.
Naturgefahren: Schmelzende Gletscher hinterlassen instabiles Gelände. Gletscherseen können ausbrechen, Murgänge werden häufiger, Permafrost-Auftau destabilisiert Felswände. Die Kosten für Schutzmassnahmen in Berggebieten steigen.
Tourismus: Sommerskigebiete verschwinden, Wanderwege müssen umgeleitet werden, die Berglandschaft verändert sich fundamental. Für den Schweizer Tourismus ist das ein langfristiges Risiko.
Prognose
Gemäss ETH-Szenarien werden die Schweizer Gletscher bis 2100 70 bis 95% ihres heutigen Volumens verlieren — je nach Klimaszenario. Selbst wenn die globale Erwärmung auf 1,5°C begrenzt wird, schmilzt die Hälfte weg. Viele kleinere Gletscher (unter 1 km²) werden bis 2050 vollständig verschwunden sein.
Datenquellen
GLAMOS (Glacier Monitoring Switzerland). VAW-ETH Zürich, Swiss Glacier Volume Change. MeteoSchweiz, Klimaszenarien CH2018.