Die Schweiz gehört zu den innovativsten Volkswirtschaften der Welt — aber gilt das auch für ihre Digitalisierung? Die Antwort ist: kommt drauf an, wen man fragt. Unternehmen sind im Schnitt gut aufgestellt, die ETH forscht an der Weltspitze, doch wer eine Baubewilligung oder einen Betreibungsauszug braucht, erlebt manchmal noch analoge Zustände.
Internationales Ranking: Schweiz auf Platz 4
| Land | IMD Digital Ranking 2025 | Veränderung ggü. 2020 |
|---|---|---|
| Dänemark | 1 | = |
| USA | 2 | +1 |
| Singapur | 3 | -1 |
| Schweiz | 4 | +1 |
| Niederlande | 5 | +2 |
| Schweden | 6 | -2 |
| Deutschland | 18 | -2 |
Im IMD World Digital Competitiveness Ranking — dem anerkanntesten Vergleich — liegt die Schweiz auf Platz 4 von 64 Ländern. Die Stärken: Wissen (Top-Universitäten, hohe F&E-Ausgaben), Technologie-Adoption in der Privatwirtschaft und ein stabiles regulatorisches Umfeld.
Glasfaser und Breitband: Das Netz steht, aber nicht überall
| Kriterium | Schweiz | EU-Durchschnitt |
|---|---|---|
| FTTH-Abdeckung (Glasfaser) | 53% | 56% |
| 5G-Abdeckung (Bevölkerung) | 98% | 81% |
| Durchschnittliche Downloadgeschwindigkeit | 142 Mbit/s | 95 Mbit/s |
| Haushalte mit Internet | 97% | 92% |
Bei der 5G-Abdeckung gehört die Schweiz zur europäischen Spitze — 98% der Bevölkerung haben Zugang. Bei Glasfaser (FTTH) sieht es weniger glänzend aus: 53% Abdeckung ist Mittelfeld. In ländlichen Gemeinden fehlt der Ausbau oft noch — ein Problem für Homeoffice-Arbeitende ausserhalb der Agglomerationen.
E-Government: Die Achillesferse
Im UN E-Government Development Index liegt die Schweiz nur auf Platz 17 — hinter Estland (1), Dänemark (2) und sogar Österreich (8). Nur 68% der Behördendienstleistungen sind online verfügbar. Der Hauptgrund: Der Föderalismus. Mit 26 Kantonen und 2'131 Gemeinden, die je eigene IT-Systeme betreiben, fehlt es an Standardisierung.
Das Projekt E-ID wurde 2021 an der Urne abgelehnt und befindet sich in einer überarbeiteten Fassung, die 2026 in die Vernehmlassung geht. Ohne einheitliche digitale Identität bleibt vieles analog.
Digitale Kompetenzen der Bevölkerung
| Kompetenzbereich | Anteil der Bevölkerung mit Grundkenntnissen |
|---|---|
| Informationssuche online | 91% |
| Online-Kommunikation | 88% |
| Digitale Problemlösung | 72% |
| Software-Grundkenntnisse | 65% |
| Programmieren (Grundlagen) | 11% |
Rund 65% der Bevölkerung verfügen über grundlegende Software-Kenntnisse — das ist solide, aber verbesserungsfähig. Der Fachkräftemangel im IT-Bereich ist mit 38'000 unbesetzten Stellen akut. Dazu kommt eine Generationenkluft: Bei den über 65-Jährigen nutzen nur 74% das Internet regelmässig, bei den 16- bis 24-Jährigen sind es 99%.
Digitalisierung in der Wirtschaft
Schweizer KMU investieren durchschnittlich 4,2% ihres Umsatzes in die Digitalisierung — ein guter Wert im europäischen Vergleich. Branchen wie Finanzdienstleistungen und Pharma sind Vorreiter, während Bau und Gastronomie hinterherhinken. Cloud-Nutzung liegt bei 58% der Unternehmen, KI-Adoption bei 14%.
Datenquellen
IMD World Digital Competitiveness Ranking. UN E-Government Survey. BFS, Omnibus IKT. BAKOM, Breitband-Atlas Schweiz. ICTswitzerland, ICT-Fachkräfteindex.